TL;DR: In diesem Beitrag erzählt Dmitry Kesadov von einer überraschenden, aber sehr spanischen Verbindung zwischen Fußball und Wein – von Andrés Iniestas Familienweingut und David Silvas kanarischem Weinprojekt bis hin zur Begeisterung von Profifußballern für Gastronomie, zur ausgeprägten Sportkultur des Landes und zur besonderen Rolle des Fußballs im spanischen Alltag. Ein persönlicher Blick auf Spanien durch Sport, Wein, Restaurants und Lebensart.

Über den Autor: Dmitry Kesadov ist Weinexperte und Journalist, Absolvent der Weinschule Enotria und lebt seit 1996 in Spanien. Sein Schwerpunkt liegt auf Essen, Wein und Restaurants als Teil der spanischen Kultur.

Fußball, Sommer und spanischer Wein

Guten Tag, hier ist wieder Dmitry Kesadov mit unseren gastronomischen Notizen aus Spanien.

Mitten im Hochsommer könnten die Interessen von Urlaubern und Einheimischen kaum unterschiedlicher sein. Die einen widmen sich mit erstaunlicher Konsequenz der anstrengenden Kunst des Nichtstuns, während die anderen umso mehr arbeiten müssen, damit genau dieser Urlaub reibungslos funktioniert.

Bei zwei Fragen herrscht allerdings Einigkeit. Tagsüber beschäftigt alle dasselbe Problem: Wie löscht man bei dieser Hitze am besten den Durst? Und abends stellt sich die Frage, womit man die langen Sommerstunden verbringt.

Im Juli war die Antwort klar: mit Fußball.

Genau diesen beiden Themen – dem Triumph der spanischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft und der Frage, welche Weine und Getränke sich bei großer Hitze besonders gut eignen – möchte ich meine nächsten beiden Beiträge widmen.

Beginnen wir mit dem Sport. Schließlich ist dieser Sieg das Ereignis, an das man sich später wohl erinnern wird, wenn von jenem „Sommer 2027“ die Rede ist.

Was wir hier nicht tun werden: zum hundertsten Mal wiederholen, was ohnehin jeder über den spanischen Fußball weiß. Mich interessiert etwas anderes – die Verbindung zwischen Fußball, Sport im Allgemeinen, spanischer Mentalität, Kultur, Wein und Gastronomie.

Und wenn man es sich vor dem Anpfiff bequem gemacht hat, darf durchaus eine Flasche Wein auf dem Tisch stehen.

Bleibt nur die Frage: welche?

Andrés Iniesta – vom Fußballplatz zum Weinberg

Vor mir stand eine Flasche Corazón Loco Sauvignon Blanc – signiert von Andrés Iniesta persönlich.

Natürlich war das kein Zufall.

Iniesta ist nicht nur eine Legende des spanischen Fußballs und einer der prägenden Spieler jener außergewöhnlichen Erfolgsserie zwischen 2008 und 2012. Er erzielte auch das Tor, das das WM-Finale 2010 gegen die Niederlande entschied – in der 116. Minute. Später brachte das Familienweingut sogar einen Wein namens Minuto 116 heraus.

Doch Iniesta verbindet noch etwas anderes mit dem Wein: Er stammt aus einer Winzerfamilie.

Andrés Iniesta, spanische Fußballlegende und Teil einer Winzerfamilie
Foto: Christian Bertrand / Shutterstock.com

Das Familiengut produziert in der D.O. Manchuela. Die Weinberge liegen in der Provinz Albacete und sind von Torrevieja aus in wenigen Stunden mit dem Auto erreichbar. Manchuela wird häufig dem weiteren mediterranen Weinraum zugerechnet – daher nehme ich mir die Freiheit, Iniesta beinahe als jemanden aus unserer Nachbarschaft zu betrachten.

Über viele Jahre lag die Hauptarbeit im Weingut bei seinem Vater José Antonio Iniesta. Andrés selbst beendete im Oktober 2024 seine aktive Fußballkarriere. Nun bleibt abzuwarten, was langfristig die größere Rolle spielen wird: der Fußball, möglicherweise als Trainer, oder das Familienunternehmen und die Arbeit mit Wein.

Die Weine der Bodega Andrés Iniesta sind übrigens keine seltenen Sammlerstücke, die man nur in spezialisierten Vinotheken findet. Man bekommt sie unter anderem bei Carrefour, denn das Unternehmen hat inzwischen eine beachtliche Größe erreicht.

Angefangen hatte die Bodega mit rund zehn Hektar. Im Laufe von etwa vierzig Jahren wuchs die Rebfläche auf rund 120 Hektar; in einem Artikel bin ich sogar auf die Zahl 300 gestoßen.

Wie auch immer die exakte Fläche aussieht: Die Weine sind solide und genießen bei Fachleuten einen guten Ruf.

Lesen Sie auch: Wer sich näher für die mediterrane Weinkultur interessiert, findet in Dmitry Kesadovs Beitrag über den südlichen Stil spanischer Weine mit Monastrell, Giró und Alicante Bouschet weitere Hintergründe.

Warum Sport in Spanien so wichtig ist

Bevor wir weiter nach Verbindungen zwischen Fußballern und Winzern suchen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Rolle des Sports im spanischen Alltag.

Schlagen Sie eine ganz gewöhnliche spanische Tageszeitung auf, und ein erstaunlich großer Teil davon wird dem Sport gewidmet sein – vor allem dem Fußball. Das hat längst nichts mehr mit einem normalen Hobby zu tun. Manchmal erinnert es eher an eine nationale Obsession.

Mit einem Augenzwinkern bezeichnet man die Spanier gelegentlich als „Nation der Beine“. Ich würde das lieber etwas freundlicher formulieren und von einer Nation der „klugen Beine“ sprechen.

Ein paar Beispiele:

  • Spanien gehört seit Jahren zur Weltspitze im Fußball, Basketball, Radsport und in vielen anderen Disziplinen, in denen gute Beinarbeit alles andere als nebensächlich ist. Selbst in technisch und taktisch anspruchsvollen Sportarten fallen spanische Athleten oft durch ihre außergewöhnliche Physis auf. Rafael Nadal war natürlich ein hochintelligenter Tennisspieler, berühmt für seinen extremen Spin, seine Winkel und die Fähigkeit, Bälle bis dicht an die Grundlinie zu treiben. Aber was seine Beine auf dem Platz geleistet haben, war mindestens ebenso beeindruckend.
  • Auch im Tanz spielen die Beine eine besondere Rolle. Das Fußspiel eines guten Flamenco- oder Bolero-Tänzers kann hypnotischer wirken als jeder Zaubertrick. Selbst Menschen, die sich kaum für Tanz interessieren, kennen Namen wie Antonio Gades oder Joaquín Cortés. Jede Region Spaniens hat ihre eigenen Künstler und Traditionen, und auch außerhalb professioneller Bühnen wird bei den unzähligen lokalen Festen mit großer Selbstverständlichkeit getanzt. Flamenco wird häufig in erster Linie als Gesangskunst beschrieben. Wer ihn jedoch einmal in Sevilla erlebt hat, versteht schnell, wie elementar Rhythmus, Fußarbeit, Hände und Körperbewegung für diese Kunstform sind.
  • Dann ist da noch die Laufleidenschaft. Wenn Sie an einem Sonntag gemütlich durch Barcelona, Valencia oder eine andere spanische Stadt spazieren möchten, sollten Sie vorher besser einen Blick in den Veranstaltungskalender werfen. An Marathontagen scheint gelegentlich die ganze Stadt zu laufen – Junge, Alte und manchmal auch ihre Hunde. Barcelona veranstaltet einen der größten Marathons Spaniens. Aber auch San Sebastián, das viele eher mit Pintxos und Spitzenrestaurants verbinden, ist ausgesprochen sportlich. Als meine Frau und ich dort im Winter ankamen, gehörten herrliche Tennisplätze am Meer und Gruppen von Radfahrern zu den ersten Dingen, die wir sahen. Einer der Radfahrer hielt plötzlich an, stellte sein Fahrrad ab und sprang ins kalte Meer. Unser erster Gedanke: ein überzeugter Winterbader. Die Erklärung war allerdings ganz pragmatisch – Neoprenanzug. In Spanien ist Sport für viele schlicht Alltag.

Sport und aktiver Lebensstil in Spanien

  • Und schließlich gibt es die Tradition des encierro, bei dem Menschen vor Kampfstieren durch die Straßen laufen. Der berühmteste Lauf findet in Pamplona statt und wurde durch Ernest Hemingways Roman Fiesta international bekannt. Die Stiere werden durch die Stadt bis zur Arena getrieben, während Teilnehmer vor ihnen herlaufen. Erfahrene Läufer bleiben meist nur kurze Strecken direkt vor den Tieren und wissen genau, welche Abschnitte besonders riskant sind. Trotzdem kommt es zu Stürzen, Verletzungen und gelegentlich schweren Unfällen, weshalb medizinische Teams entlang der Strecke bereitstehen. Über diese Tradition kann man sehr unterschiedlicher Meinung sein. Aber auch hier geht es um dasselbe Motiv: Bewegung, Gleichgewicht, Reaktionsvermögen und vollständige Kontrolle über den eigenen Körper.

David Silva und der Wein der Kanarischen Inseln

Kehren wir zurück zur Verbindung von Fußball und Wein.

Der zweite große Name ist David Silva. Wie Iniesta gehörte auch er zu jener legendären Generation, die den europäischen und internationalen Fußball zwischen 2008 und 2012 dominierte.

Silva stammt von den Kanarischen Inseln und investierte gemeinsam mit dem kanarischen Winzer Jonatan García Lima in das Projekt Bodega Tamerán.

David Silva, spanischer Fußballspieler und Mitinitiator des Weinprojekts Bodega Tamerán
Foto: Christian Bertrand / Shutterstock.com

In mancher Hinsicht ist dieses Beispiel sogar noch spannender als das von Iniesta.

Zum einen lebt David Silva nach dem Ende seiner Fußballkarriere tatsächlich inmitten seiner Weinberge und beteiligt sich selbst an einem Teil der Arbeit.

Zum anderen gehört Jonatan García Lima gemeinsam mit seinem eigenen Weingut Suertes del Marqués zu den spannendsten Namen der heutigen kanarischen Weinszene.

Und diese Aufmerksamkeit ist verdient.

7 Fuentes, Trenzado, Vidonia und andere Weine dieser Produzenten sollte man meiner Meinung nach unbedingt probieren. Die vulkanischen Böden Teneriffas, alte Rebstöcke, kleine Parzellen und die besonderen Bedingungen der Inseln bringen Weine hervor, die weder gewöhnlich noch standardisiert schmecken.

Sie sind eigenwillig, charaktervoll und stark von ihrer Herkunft geprägt.

Billig sind sie nicht. Weinbau auf den Kanaren ist aufwendig und teuer.

Bei uns an der Costa Blanca findet man einige davon beispielsweise bei Vinessence.

Sie entdecken Spanien gern über Wein und Gastronomie?
Dann lohnt sich auch unser Beitrag über Monastrell aus Alicante und Murcia – Geschichte, Stil und empfehlenswerte Weine.

Was trinken Fußballer eigentlich selbst?

Natürlich interessiert viele noch eine andere Frage: Was trinken die Fußballer eigentlich selbst?

Der Weinkonsum in Spanien ist in den vergangenen Jahrzehnten zurückgegangen, wie in vielen anderen Ländern auch. Trotzdem ist Wein für viele Spanier nach wie vor weniger ein „alkoholisches Getränk“ im engeren Sinne als ein selbstverständlicher Begleiter zum Essen.

Wer bei Profisport automatisch an ein kompromissloses Alkoholverbot denkt, wird deshalb feststellen, dass der kulturelle Umgang in Spanien etwas differenzierter sein kann. Ein Glas Wein zum Essen wird traditionell anders wahrgenommen als ein Abend mit reichlich Alkohol.

Und erlauben Sie mir eine kleine Übertreibung: Bei einem zwei Meter großen Spitzensportler, der gefühlt mehr Muskeln als gewöhnliche Organe besitzt, wirken 150 oder 250 Milliliter Wein beinahe überschaubar.

Eine Zeit lang wurde im Internet intensiv über Lionel Messis angebliche Vorliebe für Único von Vega Sicilia gesprochen.

Das ist ein teurer Wein. Doch in Spanien konzentrierte sich die Diskussion weniger auf den Preis als auf Messi selbst, der nach seinen vielen Jahren in Barcelona längst fast wie einer der eigenen Fußballer behandelt wurde.

Natürlich ging es nicht darum, dass er jeden Abend eine solche Flasche öffnet. Die entsprechenden Bilder stammten eher von besonderen Anlässen. Auf einem Foto mit seiner Mutter waren beispielsweise zwei Flaschen aus ihren jeweiligen Geburtsjahrgängen zu sehen.

Messi war und ist außerdem selbst an Weinprojekten beteiligt, ohne daraus einen zentralen Bestandteil seines öffentlichen Images zu machen.

Profisportler erzählen naturgemäß selten ausführlich über ihre bevorzugten Weine und Restaurants.

Wer sich für genau diese Schnittstelle zwischen Fußball und Wein interessiert, dem empfehle ich den Journalisten Santi Rivas. Er gehört zu den ungewöhnlichen Autoren, die sich sowohl auf dem Fußballplatz als auch im Weinkeller bestens auskennen.

Bei ihm erfährt man zum Beispiel, dass Spieler von Atlético Madrid, darunter Marcos Llorente, durchaus großes Interesse an ambitionierter Gastronomie und guten Weinen haben.

Anders wäre kaum zu erklären, warum ein erheblicher Teil der Mannschaft gemeinsam das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Asador Etxebarri besuchte – ein Restaurant mit außergewöhnlichem Essen, beeindruckender Weinkarte, entsprechendem Preisniveau und monatelangen Wartezeiten auf einen Tisch.

Bei Santi Rivas finden sich viele Anekdoten, Gerüchte und Geschichten dieser Art, aber ebenso ernsthafte Beobachtungen zu Wein und Fußball.

Wie vielfältig die spanische Bar-, Wein- und Aperitifkultur insgesamt ist, beschreibt Dmitry Kesadov außerdem im Beitrag „Gastronomieformate in Spanien: wo man etwas trinkt und eine Kleinigkeit isst“.

Sport als Teil des spanischen Alltags

Obwohl ich seit vielen Jahren weiß, wie eng Sport mit dem spanischen Alltag verbunden ist, überraschen mich manche Zahlen noch immer.

In Andalusien treiben rund 65 Prozent der Bevölkerung regelmäßig und aktiv Sport.

Damit ist nicht ein wenig Morgengymnastik gemeint. Die Menschen gehen schwimmen, trainieren in Fitnessstudios, nutzen kommunale Sportanlagen und spielen in Mannschaften. Fußballteams finden sich in Unternehmen jeder Größe – vom großen Industriebetrieb bis zum kleinen Mobilfunkladen.

Der andalusische Wert gehört zu den höchsten des Landes, doch auch im spanischen Durchschnitt ist ein großer Teil der Bevölkerung regelmäßig sportlich aktiv.

Nehmen wir nur unsere Gegend.

Torrevieja verfügt über ausgezeichnete moderne Sportanlagen. Die Stadt ist für lokale Verhältnisse zwar relativ groß, aber auch kleinere Orte wie Almoradí und andere Gemeinden der Provinz haben erstaunlich gut ausgestattete Zentren.

Mehr über Stadt, Infrastruktur und Möglichkeiten für ein aktives Leben lesen Sie in unserem aktuellen Überblick über Torrevieja.

Hinzu kommt eine soziale Komponente.

In manchen Gemeinden erhalten Arbeitslose oder Menschen aus sozial benachteiligten Gruppen kostenlose oder stark vergünstigte Zugänge zu Sportangeboten.

Der Gedanke dahinter ist durchaus nachvollziehbar: Gerade in schwierigen Lebensphasen helfen Bewegung, feste Routinen und soziale Kontakte dabei, körperlich und psychisch stabil zu bleiben.

Auch Kinder- und Seniorensport sind stark entwickelt. Sport ist hier nicht nur etwas für Profis, sondern für alle Altersgruppen.

In Madrid beispielsweise umfasst das Erholungsgebiet entlang des Manzanares riesige Grünflächen mit Laufstrecken, Sportplätzen und mehr als 30 Kilometern Radwegen. In Bilbao findet sich entlang des Nervión eine ähnlich angelegte Freizeit- und Sportzone.

Sie denken über ein Leben an der Costa Blanca nach?
Bei der Wahl eines Ortes lohnt es sich, nicht nur auf Strand und Immobilienpreise zu achten. Sportmöglichkeiten, Infrastruktur und Alltag sind mindestens ebenso wichtig. Einen guten Überblick bietet unser Guide zu Torrevieja.

Von Olympia bis Carolina Marín

Bringt diese ausgeprägte Sportkultur tatsächlich Ergebnisse?

Und wie.

Ein Blick auf die Olympischen Spiele genügt.

1980, wenige Jahre nach dem Ende der Franco-Ära, gewann Spanien eine Gold-, drei Silber- und zwei Bronzemedaillen – insgesamt sechs.

2016 waren es bereits siebzehn: sieben Gold-, vier Silber- und sechs Bronzemedaillen.

In Paris 2024 holte Spanien fünfmal Gold, viermal Silber und neunmal Bronze – insgesamt achtzehn Medaillen.

Aber natürlich geht es nicht nur um Medaillenspiegel.

Spanische Sportler feiern seit Jahrzehnten große Erfolge im Fußball, Handball, Radsport, Motorsport, Motorradsport, Tennis und vielen weiteren Disziplinen.

Eine besonders außergewöhnliche Karriere ist die von Carolina Marín.

2014 wurde sie Europameisterin und Weltmeisterin im Badminton. 2015 verteidigte sie ihren Weltmeistertitel, und 2016 wurde sie als erste Europäerin Olympiasiegerin im Dameneinzel.

Carolina Marín, spanische Olympiasiegerin und mehrfache Weltmeisterin im Badminton

Vielleicht ist nicht jedem sofort bewusst, wie außergewöhnlich diese Leistung war.

Über Jahrzehnte wurde das internationale Badminton deutlich von asiatischen Nationen dominiert. China, Korea, Indien, Thailand und weitere Länder teilten einen erheblichen Teil der großen Titel unter sich auf.

Die Überlegenheit war zeitweise so groß, dass Athleten aus anderen Teilen der Welt beinahe in einer anderen Liga zu spielen schienen.

Das Wort „Badminton“ ist zwar englisch, doch das Spiel entstand nicht einfach in England. Die Briten brachten verwandte Spielformen aus ihren Kolonien mit; in Indien existierte beispielsweise Poona, und auch in China gab es seit Langem ähnliche Spiele.

Dass Carolina Marín die besten Spielerinnen Asiens bezwingen konnte, macht ihre Erfolge umso bemerkenswerter.

Ihre Karriere löste außerdem einen regelrechten Badminton-Boom bei spanischen Kindern und Jugendlichen aus.

Marín engagierte sich auch gesellschaftlich und beteiligte sich an Kampagnen gegen Mobbing, Gewalt und Schikanen im Sport.

Ich widme ihr hier deshalb etwas mehr Raum, weil 2026 das letzte Jahr ihrer aktiven Karriere wurde – vor allem infolge der schweren Knieverletzung, die sie sich bei den Olympischen Spielen 2024 zuzog.

Sie verabschiedete sich dennoch mit einer außergewöhnlichen Bilanz: Olympiasiegerin, dreifache Weltmeisterin und siebenfache Europameisterin.

Spaniens königlicher Fußball

Spanien lebt also keineswegs nur vom Fußball.

Aber kehren wir trotzdem noch einmal zu ihm zurück.

Selbst der spanische Fußballverband trägt den königlichen Titel: Real Federación Española de Fútbol.

Die Verbindung zwischen Monarchie und Fußball hat in Spanien eine lange Tradition. Nach großen Erfolgen der Nationalmannschaft gehört es beispielsweise dazu, dem König ein Trikot mit der Nummer 1 zu überreichen.

Manche Spanier haben sogar – zumindest halb im Scherz – einen Zusammenhang zwischen dem frühen Ausscheiden bei der Weltmeisterschaft 2014 und der Abdankung von König Juan Carlos im selben Jahr hergestellt.

Wissenschaftlich belastbar ist diese Theorie selbstverständlich nicht.

Aber sie zeigt sehr schön, wie schnell Fußball in Spanien mit nationaler Identität, Geschichte, Politik und Alltagsgesprächen verschmilzt.

Bei Real Madrid ist die königliche Verbindung hingegen ganz konkret: Der Verein erhielt unter Alfonso XIII. das Prädikat Real, also „königlich“.

Nach dem jüngsten WM-Sieg 2026 entschied sich die renommierte Bodega Aalto gemeinsam mit ihrem Eigentümer und Önologen Mariano García – natürlich selbst begeisterter Fußballfan – für eine ganz besondere Form der Gratulation.

Man bereitete große Fünf-Liter-Flaschen Aalto im Jeroboam-Format vor: eine für Trainer Luis de la Fuente und eine weitere für Aitor Karanka als Vertreter des königlichen Fußballverbandes.

Eine sehr spanische Art, sportliche Verdienste zu würdigen.

Auch sonst gehören viele Weine Mariano Garcías längst zu den modernen Klassikern Spaniens. In Castilla y León entstehen unter anderem Mauro, San Román und Garmón; gemeinsam mit seinem Sohn produziert er außerdem Baynos in Rioja Alavesa.

Ich erinnere mich noch gut an die Mauro- und San-Román-Jahrgänge der 1990er-Jahre. Damals gehörten sie zu den wichtigsten Weinen in den besten Restaurants unserer Region.

Heute kosten sie erheblich mehr, aber sie sind nach wie vor äußerst überzeugend.

Nationalmannschaftswein und Jamón für die Sieger

Wir nähern uns dem Ende, doch einige Geschichten sind einfach zu schön, um sie auszulassen.

Die spanische Nationalmannschaft hatte nicht nur ihr „eigenes“ Wasser – Agua Sierra Cazorla –, was bei Profisportlern durchaus logisch erscheint.

Auch zum Wein gibt es eine offizielle Nähe – über Ramón Bilbao.

Die Zamora Company, zu deren Portfolio Ramón Bilbao und der Albariño Mar de Frades gehören und die inzwischen auch die ausgezeichnete galicische Bodega Godeval aufgenommen hat, zeigte sehr anschaulich, wie gutes Timing, Geschäftssinn und spanischer Fußball zusammenpassen können.

Nur wenige Jahre nachdem das Unternehmen Sponsor der Nationalmannschaft geworden war, stand die Marke zusammen mit den Spielern plötzlich im weltweiten Rampenlicht.

Und damit sind die Beispiele noch längst nicht erschöpft.

Neymar beteiligte sich an internationalen Weinprojekten, bei denen Spanien unter anderem durch Faustino vertreten wurde. Cristiano Ronaldo investierte gemeinsam mit Rafael Nadal und der Familie Iglesias in Restaurantkonzepte. Sergio Ramos gehörte zu den Investoren der Restaurantgruppe Kabuki.

Die Grenzen zwischen Spitzensport, Wein und gehobener Gastronomie sind also weitaus durchlässiger, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Jamón ibérico als Symbol der spanischen Gastronomie

Und womit könnte man einen Text über Spanien, Fußball und Gastronomie besser beenden als mit Jamón?

Der bekannte Jamón-Spezialist Enrique Tomás versprach jedem Spieler, der in einem Match zum Besten des Spiels gewählt wurde, so viele Kilogramm Schinken zu schenken, wie der Spieler selbst auf die Waage bringt.

Das klingt fast wie aus einem alten Märchen, in dem Helden mit ihrem eigenen Körpergewicht in Gold belohnt werden oder so viele Edelsteine erhalten, wie sie tragen können.

In diesem Fall passt die Symbolik erstaunlich gut.

Für viele Menschen in Spanien war der Triumph 2026 tatsächlich etwas Märchenhaftes – für diejenigen, die hier geboren wurden, für jene, die Spanien später zu ihrer Heimat gemacht haben, und für all die Fans in anderen Ländern, die mitgefiebert haben.

Spanien erschließt sich nicht nur über Sehenswürdigkeiten und Strände.
Wein, Märkte, Tapasbars und kleine Restaurants erzählen manchmal mehr über eine Region als jeder klassische Reiseführer. Mehr über die spanische Genusskultur erfahren Sie in unserem Beitrag über Coctelerías, Cava, Vermut, Cantinas und Weinbars in Spanien.

Damit verabschieden wir uns für heute. Bis zum nächsten gastronomischen und vinophilen Streifzug durch Spanien.

FAQ

Welche bekannten spanischen Fußballer sind mit Weinbau verbunden?

Im Mittelpunkt stehen vor allem Andrés Iniesta, dessen Familie die Bodega Andrés Iniesta in der D.O. Manchuela betreibt, und David Silva, der am kanarischen Weinprojekt Bodega Tamerán beteiligt ist.

Was hat Andrés Iniesta mit dem Wein Corazón Loco zu tun?

Corazón Loco wird vom Weingut der Familie Iniesta produziert. Dmitry Kesadov erzählt im Artikel von einer signierten Flasche Sauvignon Blanc und erwähnt außerdem den Wein Minuto 116, dessen Name an Iniestas entscheidendes Tor in der 116. Minute des WM-Finales 2010 erinnert.

Warum spielt Sport im spanischen Alltag eine so große Rolle?

Der Artikel beschreibt Sport als festen Bestandteil der spanischen Lebensweise – vom Fußball über Tennis, Radsport und Stadtmarathons bis hin zu kommunalen Sportzentren und Angeboten für Kinder und ältere Menschen.

Trinken spanische Fußballer Wein?

Der Beitrag nennt mehrere Spieler mit Interesse an Wein und Gastronomie, ohne dies auf alle Profisportler zu übertragen. Im Mittelpunkt steht vielmehr die kulturelle Rolle des Weins in Spanien, wo er traditionell eng mit Essen und Gastronomie verbunden ist.

Welche spanischen Weine und Bodegas werden im Artikel erwähnt?

Genannt werden unter anderem Bodega Andrés Iniesta, Tamerán, Suertes del Marqués, Vega Sicilia, Aalto, Mauro, San Román, Garmón, Baynos, Ramón Bilbao, Mar de Frades und Godeval. Außerdem empfiehlt der Autor kanarische Weine wie 7 Fuentes, Trenzado und Vidonia.

Autor: Dmitry Kesadov. Der Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information. Die Nennung von Weinen, Restaurants, Produzenten und anderen Marken ist Teil des redaktionellen Autorenmaterials und stellt kein öffentliches Angebot dar.

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