- Worum es geht: die Gastronomiewoche Nyora i Llagostí in Guardamar del Segura.
- Wann: vom 1. bis 7. Juni 2026.
- Hauptprodukte: der lokale Langostino aus Guardamar und die süße, getrocknete Ñora-Paprika.
- Für wen interessant: für alle, die spanische Gastronomie, lokale Restaurants, Meeresfrüchte und die Costa Blanca abseits des größten touristischen Trubels mögen.
- Praktischer Hinweis: Plätze in den Restaurants können früh ausgebucht sein; die Verfügbarkeit sollte direkt beim gewählten Restaurant geprüft werden.
- Autor: Dmitry Kesadov – Weinexperte und Journalist, Absolvent der Schule Enotria, seit 1996 in Spanien; Schwerpunkt: Essen, Wein und Restaurants als Teil der spanischen Kultur.
Aktualisiert am: 03.06.2026
Nyora i Llagostí in Guardamar: Langostino, Ñora und Costa-Blanca-Geschmack
Spanischer Mundfunk: Die besten Adressen werden weitergegeben
Guten Tag, hier ist Dmitry Kesadov, Weinexperte und Journalist, mit unseren kulinarischen und önologischen Notizen aus Spanien.
Spanier haben ein besonderes Verhältnis zu Empfehlungen. Sie sind freundlich, offen und gesellig, aber direkte Werbung passt oft nicht besonders gut zum spanischen Lebensgefühl. Wenn etwas wirklich gut ist, so die unausgesprochene Logik, muss es nicht laut auftreten. Der Vater flüstert es dem Sohn zu, ein Kollege erwähnt es bei der Arbeit, ein Freund schickt die Adresse. Mit anderen Worten: Mundpropaganda funktioniert hier nach wie vor erstaunlich gut.
Einmal wollte uns ein spanischer Freund, Besitzer einer lokalen jardinería, erklären, welchen Jamón wir kaufen sollten. Er ist ein guter Mensch, aber etwas zerstreut; meine Frau und ich nennen ihn scherzhaft “Gartenkopf”. Also setzte er feierlich an, um uns die einzig richtige Jamón-Marke zu nennen.
Und direkt vor unseren Augen wurde er rot vor Anstrengung, weil ihm nicht einmal ein Name einfallen wollte. Es sah so aus, als könnte ihn diese geistige Belastung ernsthaft gefährden. Ich klopfte ihm schnell auf die Schulter und gab ihm zu verstehen, dass wir auch ohne diese Marke weiterleben könnten.
Er atmete erleichtert aus und fuhr fort: “Und zum Jamón braucht man eine gute Flasche roten spanischen Wein. Ich sage dir gleich, welchen!”. Die Szene wiederholte sich fast identisch: Unser “Gartenkopf” suchte mit solcher Kraft in seinem Gedächtnis, dass wir kurz um ihn fürchteten.
Es geht nicht darum, dass er dumm, faul oder uninteressiert wäre. Es ist ein anderer Umgang mit Wissen. Seit seiner Kindheit verkaufte ihm der Metzger aus der Nachbarschaft den richtigen Jamón. Den Wein empfahl ein Freund, Restaurantbesitzer, bei dem die Familie seit Jahren essen ging. Für viele Spanier sind genau solche Menschen echte Autoritäten – nicht Reiseführer, Rankings oder Marken, die man auf Abruf nennen soll.
Warum man in Spanien manchmal aktiv suchen muss
Diese Geschichte erklärt teilweise, warum direkte Werbung in Spanien so eigenartig wirken kann. Veranstaltungen werden oft in feierlichem Ton angekündigt – kurz nachdem sie stattgefunden haben. Ungefähr so: “Im vergangenen Monat begrüßte unsere Stadt Almoradí die Liebhaber der Artischocke zu ihrem jährlichen Fest…”. Versuchen Sie einmal, eine so rechtzeitig beworbene Veranstaltung zu besuchen.
In diesem Jahr sah ich eine Ankündigung für eine Artischocken-Gastronomiewoche, die tatsächlich eine Woche vor Beginn veröffentlicht wurde. Ich war überrascht. Etwas weiter unten stand jedoch, dass Reservierungen für die speziellen Mittagsmenüs in den örtlichen Restaurants bereits unmöglich seien: Alle Plätze waren von Einheimischen im Voraus belegt. Diese Information stand in derselben Anzeige, die eigentlich zur Teilnahme einladen sollte.

Ein weiteres Meisterstück spanischen Marketings erlebten wir einmal in einer Bodega unserer Region. Wir baten den Besitzer, uns ein gutes Restaurant in der Nähe zu empfehlen. Stolz reichte er uns eine sehr schöne Broschüre mit Fotos des Restaurants und seiner Innenräume.
Wir wollten gerade losfahren, als uns ein Detail auffiel: In der Broschüre fehlten Adresse, Anfahrtsplan, Telefonnummer und überhaupt jede Kontaktmöglichkeit. Dem Restaurantbesitzer, irgendwo tief in der Provinz, war offenbar nicht in den Sinn gekommen, dass jemand den Weg zu seinem seit vielen Jahren bestehenden Restaurant nicht kennen könnte. Die Einheimischen wissen es ja. Wir mussten zurück in die Bodega und nachfragen.
All das ist ein Witz – aber einer mit viel Wahrheit. In Spanien muss man sich manchmal bemühen, um wirklich “im Thema” zu sein.
Nyora i Llagostí in Guardamar: Was vom 1. bis 7. Juni passiert
Versuchen wir also, diesen Kreislauf zu durchbrechen und rechtzeitig anzukündigen: Vom 1. bis 7. Juni 2026 findet in Guardamar del Segura die Gastronomiewoche Nyora i Llagostí statt – auf Spanisch la ñora y el langostino.
Es ist bereits die 22. Ausgabe dieses Festivals, das traditionell Anfang Juni veranstaltet wird.

Der Zeitpunkt ist nicht zufällig gewählt. Erstens beginnt Anfang Juni die touristische Saison. Zweitens sind Frühling und Sommer eine besonders gute Zeit für die berühmten Langostinos aus Guardamar. Das Mittelmeer ist reich an Garnelen und anderen Meeresbewohnern, doch diese entstehen dort, wo der Fluss Segura auf das Mittelmeer trifft. Dieser Ursprung gibt ihnen ihren Charakter: etwas frischer, etwas süßer, etwas feiner im Geschmack.

Zwei Hauptdarsteller: Langostino und Ñora
Der zweite Held des Festivals ist die Ñora-Paprika, die im Zuge des berühmten kolumbianischen Austauschs zwischen den beiden Seiten des Atlantiks nach Spanien kam. Die indigenen Völker Amerikas schenkten Europa Paprika, Tomaten, Mais und Kartoffeln. Die Europäer revanchierten sich mit Alkohol und Geschlechtskrankheiten.
Das ist natürlich ein Witz. Wobei mit Kartoffeln und Gemüse später auch der Kartoffelkäfer kam – und danach die Reblaus, die fast alle europäischen Weinberge zerstörte. Der Austausch verlief also mit gemischtem Erfolg. Guardamar hatte mit der Ñora allerdings Glück: Hier wird ein großer Teil dieser schönen, würzig-süßen Paprika angebaut.

Getrocknet wird sie sogar direkt an den Stränden. Man kauft sie entweder ganz und getrocknet oder als fertige Paste, zum Beispiel mit Knoblauch. In Katalonien wurde aus Salz, Pfeffer, Ñora, Knoblauch, Olivenöl und Weißbrot eine fast kultische Würzgrundlage namens picades.
In unserer Gegend geht man bäuerlicher und praktischer damit um. Die Ñora wird meist trocken verwendet: in Paella, Reisgerichten, Soßen und Eintöpfen. Man findet sie auf Märkten, manchmal als geräucherte Variante – ñora ahumada – oder in Supermärkten wie Mercadona.
Ihre Form ist fast rund, weshalb sie gelegentlich pimiento de bola genannt wird. Die Farbe ist tief, dunkel und schön, beinahe tintenviolett.
Doch statt weiter über die Zubereitung von Langostinos aus Guardamar und Ñora-Paprika zu lesen, ist es wohl sinnvoller, ein Restaurant auszuwählen und zu einem der Festivalmittagessen zu gehen.
Wo man das Festivalmenü probieren kann
Die Mittagessen finden in fünf Restaurants der Stadt statt: Club Náutico, El Jardín, Edén Mar, Jaime Legend und Origen.
Der Favorit meiner Frau und mir ist El Jardín mit Küchenchef Jorge Amores. Ich werde dieses Restaurant jetzt nicht hastig beschreiben; es verdient einen eigenen, ruhigeren Text. Nur so viel: Das Team bewegt sich selbstbewusst in Richtung größerer Anerkennung und vielleicht eines Tages in Richtung Michelin-Stern.
Auch Jaime Legend nimmt am Festival teil. Das ist eine andere Geschichte. Viele erinnern sich an das Restaurant direkt am Meer, in der Reihe ehemaliger Fischerhütten, das Jaime hieß – nach dem Familienoberhaupt Jaime Cañavate. Der Status dieser Gebäude war kompliziert: Sie arbeiteten auf Grundlage einer Konzession, doch diese lief aus. Im Jahr 2025 wurden die Gebäude an der Playa Babilonia teilweise abgerissen, darunter auch das alte Jaime, das nach Angaben der Eigentümer 59 Jahre lang gearbeitet hatte.

Wir kamen 1996 nach Guardamar, und schon damals schien es, als sei Jaime immer dort gewesen: zuerst als echtes chiringuito, später in einer etwas modernisierten Form. Wenn schon nicht Rom, dann zumindest Babylon – Playa Babilonia – konnten die Behörden abbauen. Doch das Restaurant wird lange im Gedächtnis der Einheimischen bleiben: Die Preise waren niedrig, Fisch und Meeresfrüchte frisch.
Die Familie hatte außerdem ein “städtisches” Restaurant näher am Park, El Bleu. Im Lokal am Meer waren wir unzählige Male, im El Bleu nur einmal. Die Fusionsküche war ordentlich, aber es blieb das Gefühl, dass etwas nicht ganz fertig war. Nun hat die Familie meiner Meinung nach die richtige Entscheidung getroffen: ein Rebranding, der neue Name Jaime Legend und nach 69 Jahren Arbeit ein Neustart. Das Festival rund um Ñora und Langostino ist ein guter Anlass, das “neue” Jaime zu entdecken.
Möge es für uns alle möglichst viele gute spanische Restaurants geben.

Guardamar und die Costa Blanca mit Alegria
Guardamar ist nicht nur ein Ort für gastronomische Ausflüge. Es ist auch eine der Städte an der Costa Blanca, in denen Meer, Spaziergänge, Restaurants und ein ruhiger Lebensrhythmus auf natürliche Weise zusammenfinden. Wenn Sie nach einem Besuch über ein Leben am Mittelmeer nachdenken, sehen Sie sich den Immobilienkatalog von Alegria an oder nutzen Sie den Bereich Dienstleistungen in Spanien, darunter Immobilienauswahl, Kaufbegleitung und Vermietung.
Wenn Sie die spanische Ess- und Weinkultur weiter entdecken möchten, lesen Sie auch Dmitrys Texte über Gastronomieformate in Spanien und Monastrell-Weine aus Alicante und Murcia.
Nützliche Links
- Club Náutico Guardamar – auf der Karte öffnen
- Restaurante El Jardín – auf der Karte öffnen
- Edén Mar – auf der Karte öffnen
- Restaurante Jaime Legend – auf der Karte öffnen
- Origen Restaurante Guardamar – auf der Karte öffnen

- Monastrell in Alicante und Murcia: Geschichte, Bodegas und Weine, die man probieren sollte
- Gastronomieformate in Spanien: wo man etwas trinkt und leicht isst
FAQ
Was ist Nyora i Llagostí?
Es ist eine Gastronomiewoche in Guardamar del Segura, die zwei lokalen Produkten gewidmet ist: der Ñora-Paprika und dem Langostino aus Guardamar.
Wann findet die Gastronomiewoche statt?
Dieser Artikel bezieht sich auf die Ausgabe vom 1. bis 7. Juni 2026.
Warum gelten die Langostinos aus Guardamar als besonders?
Der Autor erklärt dies mit ihrem Ursprung: Sie entstehen dort, wo der Fluss Segura auf das Mittelmeer trifft. Dadurch bekommen sie einen feineren, frischeren und leicht süßlichen Geschmack.
Was ist Ñora-Paprika?
Ñora ist eine süße, aromatische, rundliche Paprika, die getrocknet und in Reisgerichten, Soßen und lokalen Zubereitungen verwendet wird.
Welche Restaurants nehmen am Festival teil?
Im Artikel werden fünf Restaurants genannt: Club Náutico, El Jardín, Edén Mar, Jaime Legend und Origen.
Diese Informationen stellen keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Sie sind kein öffentliches Angebot.